Liebe Schlammfreunde

Die Bedeutung von Deep Sand

von Ronald L. Shimek, Ph.D.

Erstveröffentlichung März 2001 im Aquarium Fish Magazine

(Rechte der deutschen Übersetzung bei der Firma coralsands , Übersetzung: Evi Weilbach)

 

Schlamm! Warum in aller Welt sollten Sie den in ein Riffaquarium packen?

Nun, die Antwort ist simpel – dieser Schlamm hilft Ihnen, eine Umgebung zu erschaffen, in der Ihren Korallen und anderen Tieren gar nichts anderes übrig bleibt als bestens zu gedeihen. Mit meinen 30 Jahren Erfahrung als Meeresökologe kann ich sagen, dass DIE wichtigste Komponente für ein Riffaquarium ein so genanntes deep sand bed ist, welches sehr feines sandiges Sediment enthält, was man getrost als Schlamm bezeichnen kann.

Vorteile:

Hobbyaquarianer mögen denken, dass diese sand beds keinen Platz im Riffaquarium haben, insbesondere, wenn sie versuchen, ein einem Korallenriff ähnliches Aquarium einzurichten. Dennoch, mit ein bisschen Nachdenken würden sie erkennen, dass die meisten Korallenriffe von Sand umgeben sind und, indem wir ein sand bed einrichten, wir die Natur nachbilden. Das Sandbett bietet drei Dinge an:

Erstens: ein Ort, an dem gelöste Nährstoffe verarbeitet und weitergegeben werden können. Zweitens: ein Ort, an dem Detritus (d. h. mineralische Sinkstoffe), überschüssiges Futter, Tierkot und andere Materialien in wieder verwertbare Substanzen umgewandelt werden können

Drittens: eine Nahrungsquelle für viele das Riff bewohnende Tiere.

Betrachten wir einmal jede dieser Funktionen.

Wie auch in der Natur, stellen die aus Sandkörnern bestehenden Oberflächen der sand beds ein wichtiges Substrat für bestimmte Bakterien dar. Der Bakterienbewuchs wird durch drei Faktoren festgelegt: die Größe der sandigen Oberfläche, die Menge an verfügbaren Nährstoffen, sowie die Anzahl und die Auswirkungen der anwesenden Räuber.

Alle diese Faktoren spielen in der Entwicklung eines sand bed als biologischer Filter eine wichtige Rolle.

In einer vorgegebenen Menge Sand steigt die für Bakterien verwendbare Oberfläche in dem Maße rapide an, wie die Partikelgröße sinkt. Nehmen wir z. B. einen würfelförmigen Partikel mit 1 mm Seitenlänge - er hat 6 mm² Oberfläche, während die Oberfläche bei einem Partikel mit der Seitenlänge 0,125 mm 0,09375 mm² beträgt. In einem Kubikmillimeter würden 512 der kleineren Würfel hineinpassen und hätten dabei eine Oberfläche von 48 mm², acht mal soviel wie der größere Würfel.

Die komplette Sedimentoberfläche selbst in einem kleinen Becken ist wirklich beeindruckend. In meinem 170-Liter Riffbecken ist das Sandbett ungefähr 10 cm tief, 30 cm breit und 90 cm lang, ergibt also insgesamt 2,7 m³ Sand. Ich will Sie nicht mit Berechnungen langweilen, aber die Durchschnittspartikelgröße beträgt 0,125 mm, und das ist ein guter Durchschnitt, die Oberfläche des Sandes beträgt 4519 m² oder 4,5 km². Auf dieser Fläche können wirklich VIELE Bakterien leben!

Obwohl wir selten an die Bakterien denken, wenn wir ein Aquarium einrichten, sind sie außerordentlich wichtig für das Überleben jedes Zierfisches und jeder Koralle, die wir ins Becken setzen. Diese Bakterien sind der biologische Filter Ihres Wasserbeckens, und durch ihre bloße Anwesenheit und Wachstum entgiften sie das Aquarium und bauen überschüssige Nährstoffe ab.

Was für den einen Organismus Gift ist, davon ernährt sich ein anderer. Der Urin von Fischen und Wirbellosen, größtenteils Ammoniakhydroxid oder in Wasser gelöstes Ammoniakgas ist das primäre Nebenprodukt von notwendigem Proteinabbau. Ammoniakgas, ist selbst in kleinen Mengen für die Tiere hochgradig toxisch. Phosphate sind ebenso ein Nebenprodukt des tierischen Stoffwechsels und, obwohl für die meisten Tiere ungiftig, so stoppt eine zu hohe Phosphatkonzentration im Wasser das Korallenwachstum. Das Entfernen beider stickstoffhaltiger Abfälle wird durch Bakterien und Mikroalgen erledigt, welche diese toxischen tierischen Nebenprodukte absorbieren und als für ihr Wachstum lebensnotwendige Nährstoffe nutzen können.

Die Oberfläche von Stein oder anderen Materialien ist für die Bakterien und Mikroalgen längst nicht so wichtig wie ein Sandbett von 8 - 10 cm Tiefe. Die Fütterung ist in der Tierhaltung mit am wichtigsten und viele Tiere fressen viel. Mein Artikel in der Februarausgabe des Aquarium Fish Magazine über die Futterzusammensetzung und die Zusatzstoffe geben einen Einblick darüber, wie viele Nährstoffe Sie Ihrem Aquarium zugeben. Im Durchschnitt bestand das Trockenfutter zur Hälfte aus Protein, was wiederum bedeutet, dass darin viel Phosphat enthalten sein muss. Und, als ob das nicht schon genug wäre, wird, sobald das Futter verdaut ist, durch den Urin noch zusätzliches Protein in Form von Ammoniak ausgeschieden. Durch bloßes Füttern der Fische und der Korallen können die Ammoniak- und Phosphatkonzentrationen ein Hundert-, wenn nicht sogar Tausendfaches dessen erreichen, was normalerweise im Riffwasser vorkommt. Aber wenn sie ein deep sand bed haben, vollzieht sich ein kleines Wunder. Die Bakterien und Algen, die im Sediment leben, nehmen die Nährstoffe so schnell und vollkommen auf, dass man sie mit den für den Hobbybereich typischen Messgeräten sogar direkt nach der Fütterung gar nicht mehr nachweisen kann.

Diese Nährstoffe fungieren als Futter für die Bakterien. Der biologische Filter beruht im eigentlichen Sinne auf dem Bakterienwachstum. Das Aufspalten von Stickstoffverbindungen in Stickstoff wird von den Bakterien erledigt, die in den tieferen Schichten des Sandes leben. Bei normalen Wassertemperaturen, d. h. ungefähr 27,7°C, verdoppeln manche Bakterienarten ihre Population in weniger als einer halben Stunde, sofern sie mit den richtigen Nährstoffen versorgt sind. Dieser starke Bakterienwuchs setzt Stickstoff frei, welcher als Blasen aus dem Sand aufsteigt.

 

Abbildungen:

Links: Sediment in meinem 170-Liter Lagunenriffbecken, woraus Stickstoffbläschen aufsteigen. Anhand der Sauerstoffkonzentration sind mehrere Sandschichten auszumachen. Das Sandbett ist 10 cm tief.

Mitte: Dasselbe Becken, einige Monate später. Beachten Sie das grobe Material – den Korallenbruch - rechts auf der Sedimentoberfläche. Die groben Partikel verhinderten den Zugang der Würmer zur Sandoberfläche, was eine Verklumpung des Sandes zur Folge hatte. Die Verklumpungen verschwanden nach Entfernen der Partikel.

Rechts: Die Front desselben Beckens. Beachten Sie die Röhren der Würmer, die durch die sauerstoffhaltigen Schichten des Sandes reichen. Die Bewegungen der Würmer pumpen zum einen Wasser in die tieferen Schichten und verhindern so, dass diese komplett anaerob werden, zum anderen wird so die Arbeit des biologischen Filters erleichtert.

 

Schnelles Bakterienwachstum kann nur dann auftreten, wenn es keine Konkurrenz um Nährstoffe oder Platz gibt. Sobald die Bakterien die freien Plätze besetzt haben, verlangsamt sich das Wachstum oder hört ganz auf. Manche Bakterien scheiden überdies eine Art Außenhülle, auch glycocalyx genannt, aus, deren harte, zuckerähnliche Konsistenz Kandiszucker ähnelt. Schnelles Bakterienwachstum kann so viel glycocalyx produzieren, dass das Sediment zusammenklebt. Diese Klumpen können so stark verkleben, dass man einen Hammer bräuchte, um sie zu zerbrechen. In der Fachliteratur werden diese Klumpen oft als Produkte einer Kalk- oder Kalziumphosphatausfällung erklärt. Solche mineralische Ausfällung geschieht allerdings recht selten. Legt man einen kleinen Sedimentklumpen in eine schwache Lösung von haushaltsüblicher Sauerstoffbleiche, zerbricht er nach kurzer Zeit in seine Einzelbestandteile. Wären die Klumpen aus Kalziumsalzen, dürften sie in der Bleiche nicht zerfallen.

Klumpenbildung ist für den biologischen Filter eine Katastrophe. Die Klumpen behindern den Wasserfluss und fangen organisches Material auf, so dass dieses nicht verrotten kann.

Hinzu kommt, dass der biologische Filter durch die Klumpenbildung teilweise seinen Betrieb einstellt, weil die sich unter den Klumpen befindlichen Bakterien keine Nährstoffe aufnehmen können. Das wiederum führt dazu, dass die Messwerte für die Nährstoffe im Becken in die Höhe schnellen.

Glücklicherweise kann man die Verklumpung verhindern und gleichzeitig die Funktion des biologischen Filters optimieren, indem man ganz einfach eine gesunde und reichhaltige Fauna, die im Sediment lebt, etabliert. Sie wird auch Infauna genannt, weil die Organismen, die Fauna, IM Sediment leben. Dies ist eine sehr verschiedenartige Gruppe von geradezu wundertätigen Organismen. Leider sind sie klein und auch nicht unbedingt attraktiv zu nennen. Wie Rodney Dangerfield sagt, „Sie bekommen nicht genug Anerkennung". Das ist eine Schande, verrichten sie doch die meiste Arbeit, damit ein Riffbecken funktioniert.

Diese Infauna ist die „Putzkolonne" des Riffs, und die Artenvielfalt, die man in einem einwandfrei funktionierenden Becken vorfindet, kann immens sein! Mehr als 200 verschiedene Spezies können üblicherweise in einem ausgereiften sand bed nachgewiesen werden. Dazu gehören Flachwürmer, Rundwürmer, Dutzende von Borstenwurmarten, kleine Schnecken, Schlangenseesterne, kleine Seegurken, Protozoen und viele Arten von kleinen Krustentieren. Die kompletten Populationen können enorm sein.

Ich habe meinem schon oben erwähnten 170-Liter Becken Proben entnommen, um die Artenfülle zu bestimmen. Die Anzahl an Tieren, die größer als einen halben Millimeter sind, beläuft sich auf 90.000 - 150.000, je nachdem, in welchem Wachstumsstadium sich die verschiedenen Arten gerade befinden.

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Abbildungen :

Links: Ein Ruderfußkrebs der Harpacticoides-Gattung, ungefähr 0,5 mm lang. Diese kaum sichtbaren Krustentiere sind ein wichtiger Teil der Nahrungskette und der „Putzkolonne". Sie leben im und auf dem Sediment.

Mitte: Eine Gruppe Röhren bewohnender Borstenwürmer, wahrscheinlich Chaetopteriden , in meinem 220-Liter Anemonenbecken. Diese Tiere sind vor allem Filterorganismen, die mit ihren paarigen Tentakel kleine Partikel fangen.

Rechts: Das Kopfende eines kleinen räuberischen Borstenwurms, Syllidis genannt. Sie fressen wahrscheinlich andere kleine Würmer und bewegen sich auf der Suche danach durchs Sediment. Dieser Wurm ist ungefähr 0,2 cm groß

 

Was tun diese verschiedenartigsten Tierchen im sand bed und vor allem: was tun sie für das sand bed ? Nun, einige fressen und verwerten überschüssiges Futter, Detritus oder Algen. Deren Ausscheidungen werden wiederum von Bakterien gefressen und so hält die Infauna den biologischen Filter am Laufen. Hinzu kommt, dass viele dieser Tiere sich durchs Sediment graben und so natürlich davon aufnehmen. Sie verdauen die darin lebenden Mikroorganismen und schaffen somit für die Bakterien wieder Platz.

Indem sich die Tiere durch das Sediment wühlen, bewegen sie die Partikel, wenn auch nur geringfügig. Es wird geschätzt, dass jeder dieser kleinen Organismen pro Tag 10 - 100 mm³ umwälzt. Multipliziert man diese winzige Durchschnittsmenge mit der Anzahl der Tiere, erhält man die Gesamtmenge an Aufwirbelung. In meinem 170-Liter Becken bei einer durchschnittlichen Population von 100.000 Kleintieren wird jeden Tag 1 - 10 Mio. mm³ Sand bewegt. Anders ausgedrückt wird der komplette Aquariensand innerhalb von 3 - 30 Tagen umgewälzt. Bei diesem hohen Grad an Bewegung und Umschichtung kann gar keine Sedimentverklumpung vorkommen.

Folglich wird überschüssiges Futter gefressen und verwertet oder in Biomasse von Tieren und Algen verwandelt und so läuft der biologische Filter unter den bestmöglichen Bedingungen. Das Beste daran ist, dass Sie als Aquarianer nichts dafür tun mussten. Die Tiere haben alles für Sie erledigt. Alles was Sie tun mussten, ist sich zurücklehnen und ihr gesundes Aquarium genießen. Klar, ein harter Job, aber irgendjemand muss das ja auch tun …

Abbildungen :

Ein juveniler Feuerwurm aus dem Sedimentbecken meines 170l-Lagunenriffbeckens. Noch nicht ausgewachsene Würmer wie dieser werden normalerweise durch Knospung vom erwachsenen Wurm hervorgebracht. Sie durchlaufen ein recht langes planktonisches Larvenstadium im Beckenwasser. Die meisten dieser jungen Würmer werden von Korallen und anderen Tieren, die sich von Schwebteilchen ernähren, gefressen.

 

Einrichtung des sand beds

Dies ist eigentlich fast schon zu einfach. Der wichtigste Teil eines sand beds ist, nicht wirklich überraschend, der Sand. Zu Anfang habe ich den Begriff „Schlamm" benutzt, jetzt ist von „Sand" die Rede, was nicht heißt, dass ich hier zwei verschiedene Dinge meine.

Es gibt keine wissenschaftliche Definition von Schlamm. Meeresbiologen haben zwar eine Einteilung der Partikel in sehr groß („Brocken" = Partikel größer als 25,6 cm im Durchmesser) bis sehr klein („Ton" =Partikel kleiner als 0,004 mm). Innerhalb dieser Skala wird die erstrebenswerteste Substanz, der Schlamm, nicht erwähnt. Was Wissenschaftler, die Sedimente studieren, als sehr feinen Sand mit geringen Mengen von Silt (Schlick) bezeichnen, ist für den Normalsterblichen Schlamm. Dies sind Sedimente, deren Partikel von 0,063 mm bis zu 0,125 mm reichen.

Wieso wird eigentlich so viel Aufhebens um die Korngröße gemacht?

In all meinen Ausführungen über die sand beds habe ich mich auf einen besonderen Parameter spezialisiert, und zwar die Durchschnittspartikelgröße im sand bed .

Warum ist gerade dieser Faktor so wichtig? Die einfache Antwort ist, dass die Akzeptanz des Sediments für die darin lebenden Organismen von der Partikelgröße abhängt. Vielleicht kann ein Beispiel diese These besser erklären: Einer der Amphipoden, die an der Westküste der USA häufig vorkommt, ist die Spezies Rhepoxynius abronius . Dieser kleine Käfer wurde als Zeigerorganismus für Toxizität in Sedimenten detailliert erforscht. Er zieht eine spezifische Partikelgröße vor, ungefähr 0,113 mm im Durchschnitt. Vor die Wahl gestellt, bewegt er sich im Sediment mit genau dieser Partikelgröße, nicht in 0,110 mm und nicht in 0,115 mm. Werden Individuen im Sediment mit anderer Partikelgröße gehalten, leben sie nicht so lang, pflanzen sich nicht so gut fort und sind weniger stresstolerant als die Individuen, die in der optimalen Partikelgröße gehalten werden. (Ott, 1986)

Die meisten Organismen, die im Sediment leben, haben ähnlich eng eingegrenzte Präferenzen. Dennoch leben die meisten in gut durchmischtem Sediment, welches sich um das Optimum, das sie eigentlich brauchen, bewegt, ganz passabel. Dieses Optimum reicht offenbar von ca. 0,050 mm bis zu 0,200 mm. Folglich scheint mir eine Durchschnittspartikelgröße von 0,125 mm ein guter Kompromiss. Es ist zwar nicht das spezifisch Beste für die meisten der Infauna-Arten, aber so ist es möglich, eine gewisse Artenvielfalt zu erhalten.

Abbildungen :

Eine gute Sedimentverteilung für ein sand bed.

 

Gröberes Sediment wie Kiesel oder Korallenbruch sind einfach zu groß. Ein weiterer Nachteil sind die scharfen Kanten, an denen sich kleine Gliederfüßler und Würmer, die durchs Sediment kriechen, abschürfen. Feineres Sediment kann so stark zusammenbacken, dass die meisten Tiere nicht mehr durchkommen, wodurch eine für Wasser und Tiere undurchlässige Schicht entstehen kann, in der der biologische Filter nicht funktioniert.

Sand nach Partikelgrößen zu beurteilen wäre für den Hobbyaquarianer eine allzu große Herausforderung, aber glücklicherweise wird Sand in den angemessenen Größen verkauft, oft als „zuckerfein" oder „oolitisch" gekennzeichnet. Ein paar größere Partikel im Sand sind in Ordnung, aber er sollte nicht mehr als 15 % davon haben. Auf keinen Fall sollten Sie Korallenbruch oder Korallenkies verwenden. Diese Substrate sind zu grob und daran schürfen sich die kleineren Organismen auf.

Den Organismen ist die mineralische Zusammensetzung des Sediments egal, wichtig ist nur die Größe und Form der Partikel. Die meisten Aquarianer benutzen aragonitischen Sand, „um ein Kalzium-Reservoir zu haben". Hinzu kommt noch der ästhetische Wert der weißen Farbe des Sandes. Wenn jedoch der pH-Wert und die Kalziumkonzentration des Systems so niedrig sind, dass erhebliche Mengen von Kalzium aus dem Sediment gelöst werden, gibt es ganz andere ernsthafte Probleme und aller Sand der Welt könnten diese nicht beheben. Die Becken können mit schwarzem Lavasand oder feinem Silikatsand ausgestattet werden, was Erfolg verspricht, so lange die Korngröße stimmt. Es gibt Bedenken, dass Silikatsand die Kieselalgenblüte vorantreibt, aber diese kann mit den entsprechenden Algenfressern unter Kontrolle gebracht werden. Es ist absolut nicht nötig, für einen Sockel unterhalb der Sandschicht zu sorgen, er würde nur das für die Bakterien verfügbare Sedimentvolumen reduzieren.

Wenn Sie ein sand bed in einem schon etablierten Becken einrichten wollen, müssen Sie jegliche Kiesel und Korallenbruch entfernen. Fügen Sie dann den Sand zu, immer nur Zentimeter für Zentimeter. Um die Wassertrübung müssen Sie sich keine Sorgen machen, die Rifftiere sind an dergleichen angepasst und kommen damit klar. In einem neuen Becken können Sie einfach den Sand auf einmal auf den Beckenboden leeren, Wasser hinzufügen und das Lebendgestein im oder auf dem Sand platzieren. Man braucht keine Plattform für das Lebendgestein, ich bette es zur besseren Stabilisierung ein wenig im Sand ein.

Nachdem man das Becken mit Wasser gefüllt hat, muss eine Startermischung für die Bakterien und die Infauna zugegeben werden. Das ist normalerweise lebendiger Sand, oder auch das Produkt „Live Sand". Ersteres ist einfach Sand, der eine Zeitlang Bestandteil eines marinen Systems war. Er enthält einige Bakterien und sonst nicht viel, und ich halte ihn für wertlos. [ Er wird üblicherweise in Plastiktüten verkauft und ist länger haltbar. Anm. der Übers. in Absprache mit dem Autor ] Das Produkt „Live Sand" wurde aus dem Meer gesammelt und entweder Ihnen direkt geliefert, oder man kann es in Aquaristik Geschäften in den USA erwerben. (In Deutschland leider noch nicht üblich und erhältlich). Darin sind oft eine ganz passable Bandbreite an Tieren enthalten, und das ist es, was sie für einen guten Start des Aquariums brauchen. Mindestens 10 % des kompletten Beckenvolumens sollten aus dem „Live Sand" bestehen, besser ist noch mehr.

Es gibt diverse Hersteller, die detritivore kits oder auch recharge kits , welche verschiedene Tierarten enthalten, anbieten. Man kann solche Sets problemlos von verschiedenen Herstellern zu kaufen; sie ergänzen einander ganz gut. Mit mehreren solcher kits bekommen Sie schneller ein artenreiches System. Lediglich die Kosten könnten abschreckend sein. Haben Sie solch ein kit ins Aquarium eingebracht, dürfen für mindestens 2 Wochen keine Fische eingesetzt werden, damit sich Minimalpopulationen der Organismen im Sand entwickeln können. Denken Sie daran, das sind Lebewesen, auch sie müssen gefüttert werden.

Abbildungen :

Links: Feuerwürmer wie dieser Eurythoe complanata sind eine der besonders wünschenswerten Tiere, die in solchen detritivore kits vorkommen können.

Mitte: Gammaride Amphipoden sind sehr gute Abfall-, bzw. Aasfresser und werden üblicherweise auch als Bestandteil solcher kits verkauft.

Rechts: Nassarius -Schnecken sind ebenfalls sehr effiziente Aasfresser und sind für alle anderen Aquarienbewohner harmlos, solange diese gesund sind. Sie brauchen eine Sandoberfläche, in die sie sich eingraben können, und 1 - 3 solcher Schnecken sollten auf einem Quadratmeter vorkommen.

 

Innerhalb einer Woche verraten Ihnen Blasen, die vom Sand aufsteigen, dass der Sandfilter arbeitet, innerhalb einiger Wochen sollten am Beckenrand kleine Röhren und auch kleine Käferpopulationen zu sehen sein. Nach zwei Wochen - länger zu warten wäre allerdings wünschenswert – können Fische eingesetzt werden.

Unter gar keinen Umständen dürfen Sie den Sand durchsieben und Tiere wie grabende Seesterne oder Meergrundeln einsetzen. Diese Tiere würden Ihnen genau die Organismen, die Sie brauchen, wegfressen.

Sie können nun nach und nach mehr Tiere einsetzen.

Probleme:

Die Probleme, die die Betreiber von sand beds quälen, existieren eher in den Köpfen derer, die von dessen Dynamik keine Ahnung haben, als dass sie real sind.

Eins dieser nicht realen Probleme ist die angebliche Anhäufung von Schwefelwasserstoff und Detritus und dass man diese Stoffe abfiltern muss. In der Tat kommt Schwefelwasserstoff in der untersten Lage des deep sand bed vor. Es steigt NICHT nach oben und vergiftet das Becken. Schwefelwasserstoff ist ein erstaunlich toxisches Gas, aber sein stechender Geruch nach faulen Eiern ist schlimmer als seine Giftigkeit. Das Gas riecht schon außerordentlich stark bei Konzentrationen, die weit unter den toxischen Grenzwerten liegen. Wenn man dieses Zeug riechen kann, ohne dass es einem dem Atem nimmt, ist es noch nicht in einer bedrohlichen Konzentration vorhanden. Es gibt keine Beweise, dass es im sand bed bis in den toxischen Bereich vorkommen kann.

Detritus ist ein weiteres vermeintliches „Problem": Gedeiht die Sedimentfauna, gibt es eine feine Schicht davon, wohingegen der Rest von der Infauna abgebaut wird. Das letzte nicht vorhandene Problem besteht darin, dass manche glauben, man müsste ein gesundes sand bed durchsieben oder –filtern. Dies erledigen schon die Kleinorganismen hinreichend. Weiteres Durchsieben würde einem gesunden sand bed erheblichen Schaden zufügen.

Sand beds verwerten Stoffe wieder und transportieren viele der überschüssigen Nährstoffe in einem Aquarium ab. Einige dieser überschüssigen Nährstoffe werden durch Stoffwechselprozesse gelöst und müssen entweder als im Hauptbecken als Makroalgen und Tiere „abgeerntet" werden, oder in einem Auffangbehälter gesammelt werden.

Das einzig wahre Problem eines sand beds ist die Reduktion der Artenvielfalt, wenn das bed altert. Dies wird durch Wegsterben einzelner Spezies und Probleme bei der Wiederbeschaffung verursacht, wenn das sand bed zu klein ist, um für manche Spezies stabile Populationen zu schaffen. Dem kann man begegnen, indem man alle 2 Jahre solche schon erwähnten detritivore oder recharge kit als Energieschub für die Fauna hinzu gibt.

Schlussfolgerung:

Die Installation eines live sand bed ist denkbar einfach und, vergleicht man sie mit den anderen Kosten für ein Aquarium, relativ preiswert. Einmal eingerichtet, trägt es in hohem Maße zum erfolgreichen Betrieb des Beckens bei, indem es einen biologischen Filter mit genug Kapazität für die meisten Becken darstellt. Hinzu kommt, dass es für viele sich von Schwebteilchen ernährenden Tiere als Nahrungsquelle fungiert, wie z. B. für kleine Steinkorallenpolypen. All dies tut es mit einem Minimum an Aufwand und Kosten.

 

Ron Shimek